Friday, September 16, 2011

Nicht einfach nur Tomatensauce

***Piep***Dies ist ein Werbespot***Piep***
***Piep***Ende der Durchsage***Piep***

Ich habe mich vor Kurzem daran versucht, die Tomatensoße meiner Mama nachzukochen. Nudeln mit Tomatensoße gehörten zu meiner Kindheit einfach dazu.
Wenn ich mich daran erinnere, wie es damals war - dann kommt mir nicht das profane "Sie gab mir etwas zu Essen." in den Sinn.
Es sind irgendwie mehr Gefühle, die ich damit verbinde.
Sicherheit, Geborgenheit, Liebe.

Aus diesem Grund schmeckte mir die Soße fantastisch und ist bis heute als beste Freundin der Nudel in mein "Geschmacksgedächtnis" eingraviert.
Dabei war sie nichts in dem Sinne "Besonderes" ... sie bestand lediglich aus in Butter angeschwitztem Speck (den Mama rauspulen musste, da ich ihn nicht mochte), was dann zu einer Mehlschwitze verarbeitet wurde.
Ein Brühwürfel und jede Menge Tomatenmark dazu, mit etwas Wasser zur gewünschten Dicke aufgießen, fertig.
Es waren die Umstände, welche diese Soße zu etwas Besonderem werden ließen.

Das Bewusstsein, heimzukommen und von einer liebevollen Familie empfangen und versorgt zu werden.
Die Unbekümmertheit, weil man nicht selber kochen oder auch nur das Geschirr wegräumen und spülen musste.
Das waren die geheimen Zutaten, welche einen einzigartigen Geschmack verliehen.

Und das bekommt man selber nie wieder hin - wie ich zu meinem Leidwesen feststellen musste.
Na klar, rein technisch gelingt die Soße und ja, sie ist ganz nett.
Aber, es fehlt etwas - dieser spezielle Geschmack, der sich in meine Gehirnwindungen eingebrannt hat.
Den bekomme ich nicht hin.
Weil ich diesmal koche.
Weil ich das Geschirr vorbereite.
Weil ich hinterher spülen muss.
Weil ich nicht einfach am Tisch sitzen und warten kann, dass mir ein geliebter Mensch den Teller hinstellt.

Im ersten Moment war ich deshalb traurig, aber dann hatte ich eine wunderbare Erkenntnis:
Ich kann diesen Geschmack für mich nicht mehr zurückholen, aber jetzt habe ich die Möglichkeit, ihn weiterzugeben.
Auch ich habe eine Tochter, die ich mittags vom Kindergarten abhole, die irgendwann von der Schule zurückkommt oder abends mal von Freunden.

Dann kann sie sich an den gedeckten Tisch setzen, einen Teller voller Nudeln mit Tomatensoße bekommen und diesen unbekümmert leer essen, ohne an den Abwasch denken zu müssen.

Vielleicht wirkt der Zauber dann wieder und würzt dieses einfache Gericht mit einer speziellen Note, die kein Koch der Welt in keinem Sternerestaurant im Universum nachkochen kann.

Und eines Tages steht mein (dann nicht mehr so kleines) Mädchen in ihrer eigenen Küche, kocht Tomatensoße und fragt sich:

"Warum schmeckt das nicht so wie damals bei Mama?"

4 comments:

  1. Es kann einfach nie wie bei Mama schmecken, weil Mama es nicht macht. Sie könnte neben uns stehen und genau ansagen welche Arbeitsschritte zu tun sind.. Dennoch...

    Auf einen guten Mama tomatensaucen Tag.

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  2. Toll geschrieben, denn so geht es mir auch oft ! Und ich weiß ganz genau, dass meine Mama wiederum Sachen von meiner Omi (ihrer Mama) nachgekocht hat - und es hat ebenfalls nicht so geschmeckt ...

    Im Übrigen gefällt mir dein "über mich" :)

    Viele Grüße,
    Frau Mena.

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  3. Mir gefällt dein Text gut und ich finde ihn auch sehr treffend. Ich habe auch schon oft drüber nachgedacht, warum manche Sachen trotz dem gleichen Rezept anders schmecken. Aber du hast Recht, es kommt auf das Gefühl dabei an...

    LG
    Jai

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